•   Name Alexandra Holzbauer
    Beruf Katholische Hochschulseelsorgerin, Pastoralreferentin
    Sprechzeiten nach Terminabsprache
    Adresse Kirchstr. 6
    72622 Nürtingen

    Telefon

    07022/2165874

    Mail

    oekhg@evkint.de

  •   Name Muriel Sender
    Beruf Evangelische Hochschulseelsorgerin, Pfarrerin z.A
    Sprechzeiten nach Terminabsprache
    Adresse Kirchstr. 6
    72622 Nürtingen

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Augst 2019

Ferienregeln

√   Sprich Kindergebete, unverbindlich, zur Probe, um zu merken wie sie sich im Mund aufführen –  zum Beispiel: „Manchmal geht mir durch den Sinn, dass ich lebe, dass ich bin.“, „Guter Gott, das kommt von Dir, heute sag ich Dank dafür.“, „Wo ich gehe, wo ich stehe, bist Du, guter Gott, bei mir.“ oder „Wenn ich Dich auch niemals sehe, weiß ich immer: Du bist hier.“

√   Wenn Du Zeit hast die Erdkrümmung zu sehen, zum Beispiel am Meer, dann kannst Du unter uns die riesige Kugel spüren, die uns alle zusammenhält. Das ist ein Wunder. Es gibt noch eine Menge andere Kugeln im Weltall, die nichts Anderes zusammenhalten als Staub und dämliche Steine. Du und Milliarden Andere stehen lebend auf diesem Planeten.

√   Denk nicht, die Erholung beginnt mit dem ersten Ferientag.

√   Deine Seele ist langsam. Sie läuft noch im Trab, während Du schon irgendwo sitzt und versuchst zu genießen. Wundere dich nicht. Das ist normal und vergeht.

√   Verschone am Anfang Deine Liebsten mit Plänen.

√   Jeder von Euch hat einen anderen Rhythmus. Den gemeinsamen müsst Ihr erst finden. Das dauert etwa eine Woche.

√   Wenn Du Zeit hast, melden sich zunächst Sachen, denen Du vorher keinen Raum gegeben hast. Wut, Herz-Pochen, Schlaf. Lass es geschehen, so beginnt die Seligkeit.

√   Jeder Tag hat ein Ende. Wenn Ihr zusammensitzt, oder wenn Du allein sitzt, dann lass die Szenen des Tages vor Deinem Auge spazieren gehen. In diesen Wochen hast Du Zeit für sowas. Verabschiede Dich von dem, was blöd war und danke für das, was gelungen ist – und sei es nur ein Drei-Sekunden-Vanille-Geschmack. So übst Du Dich zu freuen an dem, was ist.

√   Wenn Du eine Stelle entdeckt hast, an der Du einfach so sitzen magst und in die Luft gucken, geh da wieder hin. In die Luft gucken ist oft die Vorbereitung für große Taten.

√   Während Du dasitzt und Dein Eis schleckst, sterben viele Leute und viele andere werden geboren. Im selben Moment. Und du atmest derweil. Auch ein Wunder.

Thomas Hirsch-Hüffel

 

 

Juli 2019

Der Jesuitenpater Thomas Gertler SJ erzählt von dem kleinen Taschensegen, den er regelmäßig nutzt:

„Der kleine Taschensegen ist das Gegenteil von dem, was viele Menschen aus Wut oder Enttäuschung oder aus Beleidigtsein in ihrer Tasche machen. Das ist die Faust in der Tasche. Allerdings kann ich, statt die Faust in der Tasche zu machen, in der Tasche den kleinen Segen geben. Das mache ich oft und gern.

Und wie das geht? Ich zeichne einfach in meine Handfläche mit dem Daumen ein Kreuz und sage dazu innerlich: Gott segne Dich. Wenn ich auf der Straße gerade einem offensichtlich traurigen Menschen begegne oder einem Mann an Krücken oder einem an Magersucht erkrankten Mädchen. Einer alten Dame mit Rollator. Oder einem verliebten Paar. Oder fröhlichen Kindern. Oder wenn ein Krankenwagen mit Tatütata vorbei fährt. Oder wenn da schon wieder ein Bettler sitzt. Oder wenn mir ein Rollstuhlfahrer entgegenkommt. Oder eine schwangere Frau. Immer der kleine Taschensegen.

Der kleine Taschensegen verändert. Er schenkt hoffentlich all diesen Menschen Gottes Segen. Aber er macht auch mich froh. Er gibt mir einen anderen Blick auf die Menschen. Er lässt mich Ja sagen. Und das verwandelt meine Weltsicht hin zum Positiven, hin zur Barmherzigkeit, hin zur Liebe, hin zum Guten. Er muss ja auch gar nicht in der Tasche gemacht werden. Er kann auch mit dem Daumen in der Handfläche außerhalb der Hosen- oder Manteltasche gegeben werden.

Versuchen Sie es mit dem kleinen Taschensegen, wenn Sie unterwegs sind. Er kommt zu Ihnen zurück.“*

Seit geraumer Zeit probiere ich das mit dem kleinen Taschensegen tatsächlich aus. Auch in diesen Tagen der Prüfungsvorbereitung und der Prüfungen werde ich das wieder fleißig tun. Und was soll ich sagen? Es macht wirklich einen Unterschied! Versuch es selbst!

Alexandra Holzbauer

*Aus der Arbeitshilfe „Beim nächsten Ton ist: FRIEDEN“, hrsg. Vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V., 2018

Juni 2019

Fragestunde

 

Wann hast du eugentlich das letzte Mal

 

ein Papierschiff zu Wasser gelassen

das Kirschkern-Weitspucken geübt

einen Luftballon aufgeblasen

auf einer Schaukel gesessen?

 

Wann bist du eigentlich das letzte Mal

 

so richtig aus dem Häuschen gewesen

aus der Reihe getanzt

auf Wolken geschwebt

rundum glücklich gewesen?

 

Du sagst zu all dem fühlst du dich

zu vernünftig, zu erwachsen, zu alt?

Jammerschade eigentlich um all die

herrlichen verpassten Gelegenheiten,

oder?

ANGELIKA WOLFF

 

 

Mai 2019

Friedenslied

Werden je Füße, geflügelt, mir melden den Frieden,

senkt über schwelende Erde den Tau sich des Friedens,

wird je gehört aus Menschenmündern das Wort:

Wir dürfen ruhen in Frieden.

 

Dann werd ich weinen und lachen und trinken und schlafen,

träumen von Flüchten und Töten und schaudernd erwachen.

Doch niemand flieht, nirgends Alarm in der Luft,

überall Frieden geschaffen.

 

Dann werd ich winken nach Fremden, sie werden mich segnen.

Wer einst mein Feind war, den werd ich in Frieden begegnen.

Dann wird' ich gehn, wo keine Wege bestehn -

Frieden, der Weg meiner Füße.

HUUB OOSTERHUIS

 

 

April 2019

Ein Dromedar

Warum Herr Hopp am frühen Morgen ein Dromedar spazieren führt? Warum nicht? Wer hätte nicht mal Lust darauf? Aber die meisten Menschen sterben, liegen da und denken: Nicht ein einziges Dromedar hab ich in meinem Leben ausgeführt. Das hätte mir auch mal früher einfallen können. Aber dann ist es zu spät. Vielleicht sagen sie aber auch: Ich bin zu wenig Riesenrad gefahren, zu selten durch Laubhaufen gelaufen. Herr Hopp lebt jedenfalls für solche Menschen und er lebt nicht schlecht. Denn immerhin gibt es nicht wenige, denen es nicht reicht, abwechselnd zur Arbeit, zur Bank und in die Ferien zu gehen, und wenn sie damit durch sind, fangen sie von vorne wieder an. Nein, solche Leute haben vielleicht plötzlich Lust auf den Anblick eines Dromedars, das knien, oder auf einen Schimpansen, der Karten spielen kann, oder auf eine Dressurreiterin, die im rosa Röckchen auf dem Rücken des Pferdes steht und mit vollen Händen Küsse in die Menge wirft, und das mit einem Lächeln, schön wie eine Fensterscheibe voll Eisblumen. Ja, wenn dies alles eine Pizza wäre, man könnte es sich kommen lassen. Aber ein Dromedar?

ROGER WILLEMSEN (1955-2016)

 

Gefunden im Adventskalender „Der Andere Advent“ (2016/17) von Andere Zeiten e.V. – eine wahre Fundgrube an zauberhaften, berührenden und inspirierenden Texten!

März 2019

 

 

annahme

wenn ich es ernst nehme
dass dieser GOTT mich ernst nimmt
 
wenn ich es glaube
dass dieser GOTT an mich glaubt
 
wenn ich es annehmen kann
dass dieser GOTT mich annimmt
 
dann kann ich daraus leben
dass dieser GOTT für mich gestorben ist

                                               Wolfgang Metz

 

 

Februar 2019

 

Zeit für 10 Dinge

 

Nimm dir Zeit zum Arbeiten

Das ist der Preis für den Erfolg

Nimm dir Zeit zum Nachdenken

Das ist die Quelle der Kraft

Nimm dir Zeit zum Spielen

Das ist das Geheimnis der Jugend

Nimm dir Zeit zum Lesen

Das ist das Fundament des Wissens

Nimm dir Zeit für die Andacht

Das wäscht den irdenen Staub von deinen Augen

Nimm dir Zeit für deine Freunde

Das ist die Quelle des Glücks

Nimm dir Zeit zum Lieben

Das macht dich lebendig

Nimm dir Zeit zum Träumen

Das zieht die Seele zu den Sternen hinauf

Nimm dir Zeit zum Lachen

Das ist die Erleichterung, welche die Bürde des Lebens tragen hilft

Nimm dir Zeit zum Planen

Dann hast du auch Zeit für die ersten neun Dinge

Dezember 2018

 

 

Funkenflug im Advent

Advent ist eigentlich ein lateinisches Wort und heißt übersetzt: Erwartung. Gut, das weiß man schon. Aber es heißt noch etwas anderes: Abenteuer - siehe 'adventure'.

Manche Leute machen im Advent bewusst etwas anders als sonst, weil sie dann nicht immer das langweilige Gleiche tun. Dann kribbelt es ein wenig im Bauch, und sofort ist ein bisschen mehr Funkenflug im Leben.

Was könnte man anders machen? Hier ein paar Vorschläge. Wenn dir eine dieser Ideen zusagt, greif sie dir:

Stell ein einziges Weihnachtsgeschenk selbst her. Es ist nicht ausgeschlossen, dass beim Tun etwas Besonderes mit dir geschieht.

Mach nicht mehr Türchen auf als erlaubt. Wer seine Neugier staut, gewinnt. Wenn du ein Türchen zu viel aufgemacht hast, musst du jemanden anrufen, der dich mag. Frag sie oder ihn, was er oder sie an dir mag.

Wirf einen Euro in den Neckar. Er wird zu dir zurückkommen.

Frag einen von den "Trottwar"-Verkäufern nach seinem Tagesablauf und wie viel Geld er im Monat zur Verfügung hat. Und kauf die Zeitung.

Geh nicht einkaufen am Sonntag. Das kannst du immer tun. Geh lieber zu denen, die dich mögen, und trink Punsch mit ihnen.

Denk nicht so viel an Gott. Der denkt schon an dich - verlass dich drauf.

Beschenk jemanden heimlich. Wenn möglich, richte es so ein, dass du ihn oder sie beim Entdecken des Geschenks sehen kannst.

Erwarte nicht zu viel von deinen Verwandten zu Weihnachten. Irgendwie sind alle ein bisschen angespannt. Man erinnert die Christnacht der Kindheit und ist schnell enttäuscht, wenn's nicht so schön ist. Als wir klein waren, hatte eben alles noch einen Zauber.

Wenn du etwas von diesem Zauber wiederhaben willst, dann geh ruhig mal in die Kirche. In einen Gottesdienst oder ein Adventssingen. Am Sonntag oder auch Weihnachten. Es tut nicht weh. Du kannst da erleben, wie andere dir ein kleines Fest bereiten, das du vielleicht sonst nicht so bekommst. Du kannst ja wieder gehen, wenn's dir nicht gefällt. Manchmal ist es schwer, sich selbst zu sagen, dass jetzt Advent ist. Oder Weihnachten. Es hilft, wenn es andere zu dir sagen. Und auch, warum.

Thomas Hirsch-Hüffell

 

 

November 2018

manchmal

 

manchmal liegt die Trauer

wie November auf den Farben

des Lebens

verstopft die Ohren

verschweigt Hoffnung

bis Kinderlachen Stille bricht -

dann malt St. Martin

dem November Laternenaugen

ins Gesicht

                                      Adelheid Burkhardt

 

 

Oktober 2018

Ein Mensch

Da war mal ein Mensch
liebte bedingungslos
die Lilien die Kinder
die Vögel des Feldes
stand auf gegen Herrschaft
von Unrecht und Gleichgültigkeit
Lieblosigkeit und Gewalt
stand auf und durchkreuzte den Tod
sagte was hast du
erreicht wenn du hasst
deine Feinde die Kranken
brauchen dich sehr
verrate sie nicht –
da war mal ein Mensch
überliebte den Tod.

                                                         © Dagmar Westphal

Aus: »Mein Herz ist hell. Gedanken – Lieder – Gebete«, 2017

 

 

 

August / September 2018

Kürzlich war ich im Kino und habe mir den Papstfilm von Wim Wenders - "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" - angeschaut (extrem sehenswert! Sehr beeindruckend!). Dabei bin ich wieder auf ein Gebet des Heiligen Thomas Morus gestoßen, das vor langer Zeit in den Tiefen meiner spirituellen Schatzkiste verschütt gegangen war und das ich aber nun gerne wieder hervorhole und hier teilen möchte. Die Tatsache, dass Papst Franziskus dieses Gebet jeden Tag betet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es nun bei mir in den Status eines persönlichen Gebetsevergreens aufsteigt. Ich finde es so bodenständig und alltagsnah, geerdet und gehimmelt zugleich...

Alexandra Holzbauer

Das Gebet des Thomas Morus 

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr,
und auch etwas zum Verdauen.
Schenke mir Gesundheit des Leibes,
mit dem nötigen Sinn dafür, 
ihn möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine heilige Seele, Herr,
die das im Auge behält, was gut ist und rein,
damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke,
sondern das Mittel finde,
die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Schenke mir eine Seele,
der die Langeweile fremd ist,
die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen,
und lass nicht zu, dass ich mir all zu viel Sorgen mache
um dieses sich breit machende Etwas, das sich „Ich” nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor,
gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen,
damit ich ein wenig Glück kenne im Leben
und anderen davon mitteile.

 

 

 

Februar 2018

Wenn es einmal so ganz still wäre.

Wenn das Zufällige und Ungefähre verstummte

und das nachbarschaftliche Lachen.

Wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,

mich nicht so sehr verhinderte am Wachen.

Dann könnte ich in einem tausendfachen Gedanken

bis an den Rand dich denken

und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),

um dich an alles Leben zu verschenken

wie einen Dank.

 

Rainer Maria Rilke

Januar 2018

Wir brauchen nicht so fortzuleben,

wie wir gestern gelebt haben.

Macht euch nur von dieser Anschauung los,

und tausend Möglichkeiten

laden uns zu neuem Leben ein.

 

Christian Morgenstern

(1871 - 1914)

aus: "Unter deinem Segen" (hg. von E. Schulz)

November 2017

Jede Minute

 

Kostbar der Herzschlag

jeder Minute

sie schenkt dir den Atem

erlaubt dir anzufangen

aufs neue

 

In deinem Augenstern

kreist die verwirrende Welt

ruht das Himmelsherz

jede Minute

 

Rose Ausländer

Oktober 2017

August 2017

Zeitansage

 

 

Es kommt eine zeit

da wird man den sommer gottes kommen sehen

die waffenhändler machen bankrott

die autos füllen die schrotthalden

und wir pflanzen jede einen baum

 

Es kommt eine zeit

da haben alle genug zu tun

und bauen die gärten chemiefrei wieder auf

in den arbeitsämtern wirst du

ältere leute summen und pfeifen hören

 

Es kommt eine zeit

da werden wir viel zu lachen haben

und gott wenig zum weinen

die engel spielen klarinette

und die frösche quaken die halbe nacht

 

Und weil wir nicht wissen

wann sie beginnt

helfen wir jetzt schon

allen engeln und fröschen

beim lobe gottes

 

- Dorothee Sölle -

Juli 2017

Achte auf deine Gedanken,

denn sie werden zu Worten.

Achte auf deine Worte,

denn sie werden zu Handlungen.

Achte auf deine Handlungen,

denn sie werden zu Gewohnheiten.

Achte auf deine Gewohnheiten,

denn sie werden dein Charakter.

Achte auf deinen Charakter,

denn er wird dein Schicksal.

 

- Aus dem Talmud (zitiert nach Charles Reade) -

Juni 2017

Passend zum Pfingstfest, das wir dieses Jahr Anfang Juni feiern, hier ein Text des großen Theologen Karl Rahner:

 

Ich glaube an den Heiligen Geist.

Ich glaube, dass Gottes Geist meine Vorurteile abbauen kann.

Ich glaube, dass er meine Gewohnheiten ändern kann.

Ich glaube, dass er meine Geleichgültigkeit überwinden kann.

Ich glaube, dass er mir Phantasie zur Liebe geben kann.

Ich glaube, dass er mir Warnung vor dem Bösen geben kann.

Ich glaube, dass er mir Mut für das Gute geben kann.

Ich glaube, dass er meine Traurigkeit besiegen kann.

Ich glaube, dass Gottes Geist mir Liebe zu Gottes Wort geben kann.

Ich glaube, dass er mir Minderwertigkeitsgefühle nehmen kann.

Ich glaube, dass er mir Kraft im Leiden geben kann.

Ich glaube, dass er mir Gefährten und Gefährtinnen geben kann.

Ich glaube, dass er mir mein Wesen durchdringen kann.

Ich glaube, dass er mir inneren und äußeren Frieden geben kann.

Ich glaube an den Heiligen Geist.

Mai 2017

April 2017

Du hast eine Verabredung mit dem Leben.

Und das Leben findet nicht in der Vergangenheit statt, denn die Vergangenheit ist schon vorbei.

Das Leben findet auch nicht in der Zukunft statt, denn die Zukunft ist noch nicht da.

Das Leben findet in diesem Augenblick statt, und der ist genau da, wo du jetzt gerade bist.

Wenn du also diesen Augenblick versäumst, versäumst du deine Verabredung mit dem Leben.

- Thich Nhat Hanh -

März 2017

Der Möglichkeitssinn

Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, und niemand wird bezweifeln, dass er seine Daseinsberechtigung hat, dann muss es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann.

Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müsste geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, dass es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein.

So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebenso gut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.

- Robert Musil -